Hier werden zweimal jährlich faktenbasierte und aktuelle Beiträge zu den Themen Klima und globalen Wandel publiziert.

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Editorial

Filippo Lechthaler
Filippo LechthalerImage: Sandra Stampfli
Filippo Lechthaler
Filippo LechthalerImage: Sandra Stampfli

Die aktuellen Debatten um die Regulierung systemrelevanter Banken und das Entlastungspaket des Bundeshaushalts zeigen, wie stark Finanzfragen die Politik in der Schweiz prägen – und wie kontrovers sie oft geführt werden. Zunehmend gilt das auch für die Klimapolitik, bei der Finanzierungsfragen in den Vordergrund rücken.

Zuletzt war dies bei der Klimafonds-Initiative der Fall und nun mit Blick auf die neu eingereichte Finanzplatz-Initiative. Denn der Weg zu «Netto-Null», die Anpassung an den Klimawandel und der Umgang mit klimabedingten Schäden erfordern erhebliche finanzielle Mittel. Wissenschaftlich gut belegt ist, dass sich frühzeitiges Handeln und Investitionen in Klimamassnahmen lohnen, weil sie dazu beitragen, künftige Kosten und Risiken eines ungebremsten Klimawandels zu begrenzen. Gerade weil Kosten, Nutzen und Verantwortlichkeiten in der Gesellschaft und zwischen den Generationen unterschiedlich verteilt sind, werden Debatten darüber rasch grundsätzlicher. Weniger klar ist dabei oft, was genau unter «Klimafinanzierung» verstanden wird, wer welche Beiträge leisten soll und über welche Wege Finanzierung tatsächlich Wirkung entfaltet.

Gerade deshalb ist eine wissenschaftliche Einordnung wichtig. Im Grundsatz geht es bei der Klimafinanzierung um öffentliche und private Mittel auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, die Klimaschutz und Anpassung ermöglichen. Je nach Verwendung des Begriffs werden auch Mittel für den Umgang mit Schäden und Verlusten mitgedacht. Diese Breite macht den Begriff zwar politisch anschlussfähig, aber auch unscharf: Wenn von Klimafinanzierung die Rede ist, sprechen nicht immer alle über dasselbe.

Hinzu kommt, dass sich Finanzierungsbedarf, Zuständigkeiten und Instrumente je nach Bereich deutlich unterscheiden. Emissionsminderungen, Anpassungsmassnahmen und der Umgang mit Schäden und Verlusten stellen unterschiedliche Anforderungen oft einzelne Instrumente oder Summen im Vordergrund. Weniger sichtbar bleibt, dass Klimafinanzierung eben auch eine Verteilungsfrage ist: zwischen öffentlicher und privater Finanzierung, zwischen nationaler und internationaler Verantwortung und zwischen heutigen Investitionen und künftigen Schäden.

Auch für die Schweiz stellt sich diese Frage auf mehreren Ebenen. Sie verfügt über Hebel als Staat, als Akteurin in internationalen Prozessen und als bedeutender Finanzplatz. Entsprechend richtet sich die Aufmerksamkeit hierzulande häufig auch auf die Rolle des Finanzsektors. Dahinter steht die in der Schweizer Debatte verbreitete Annahme, dass ein international vernetzter Finanzplatz Wirkung über die Landesgrenzen hinaus entfalten kann. Dieses Potential ist bedeutsam, muss aber differenziert betrachtet werden. Ähnliches gilt für internationale Kohlenstoffmärkte: Auch sie können zur Emissionsreduktion beitragen, werfen aber je nach Ausgestaltung Fragen nach Wirkung, Qualität und Regeln auf.

Die vorliegende Ausgabe des ProClim Flash möchte in diesem Spannungsfeld Orientierung schaffen. Sie beleuchtet Klimafinanzierung aus unterschiedlichen Perspektiven und ordnet Begriffe, Mechanismen und Zielkonflikte ein. Sie soll helfen, zentrale Fragen zu klären und verschiedene Perspektiven zusammenzudenken. So zeigt Florian Egli im Artikel «Klimafinanzierung und die Rolle der Schweiz» etwa auf, woher der Grossteil des Kapitals stammt. Julian Kölbel geht in seinem Beitrag der Frage nach, welchen Anteil die Finanzindustrie am Klimaschutz leisten kann. Axel Michaelowa wirft derweil einen kritischen Blick auf die internationalen Kohlenstoffmärkte. Ziel ist nicht, die Debatte zu vereinfachen, sondern sie an wichtigen Stellen mit nüchterner, wissenschaftlich fundierter Einordnung zu präzisieren. Denn so kann sie an Bedeutung gewinnen.

Dr. Filippo Lechthaler ist der Leiter des Forum für Klima und globalen Wandel (ProClim).