Bilder einer lebenswerten Zukunft
ProClim schafft mit dem Projekt «Zukunftsbilder Netto Null» fassbare und wissenschaftlich fundierte Visionen einer klimaneutralen Gesellschaft. Nach einem Pilotprojekt in Burgdorf wurden Bilder für einen lebenswerten und klimaneutralen Kanton Luzern gestaltet. Fünf Überlegungen waren bei diesem transdisziplinären Prozess zentral.
1) Emotionaler Zugang
Unser Ziel war, Betrachterinnen und Betrachter zuerst auf einer emotionalen Ebene anzusprechen. Deswegen rückten wir alltägliche Situationen in den Fokus: in einer Pfütze spielende Kinder, ein vom Beerenstrauch naschender Junge, Bauarbeitende in der Znünipause, eine Frau auf dem Fahrrad, Mitglieder einer WG beim Kartenspiel.

2) Betroffenheit schaffen
Die Zukunftsbilder sind im Kanton Luzern angesiedelt. Elemente wie der Pilatus oder die Fasnacht sollen bei Luzernerinnen und Luzernern einen direkten Bezug zu ihrem Alltag schaffen. Gleichzeitig macht zum Beispiel ein Ernteroboter deutlich, dass es sich um Zukunftsbilder handelt. Die Bilder sollen vermitteln, wie ein bekanntes Umfeld in einer klimaneutralen Zukunft aussehen könnte – und damit die Selbstwirksamkeit der Menschen stärken.

3) Raum zum Ergänzen
Wir haben es in der Hand, die verschiedenen Handlungsoptionen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung umzusetzen und unsere Zukunft aktiv mitzugestalten: Diese Botschaft sollen die Zukunftsbilder senden. Bewusst haben wir uns deshalb für Illustrationen entschieden. Sie laden dazu ein, Leerstellen zu ergänzen und sich die Zukunft auszumalen. Das gestaltende Motiv des Bauens und Pflanzens wurde im Übersichtsbild aufgegriffen. Es gibt nicht einen richtigen Weg, sondern viele Handlungsoptionen, die zum Netto-Null-Ziel 2050 beitragen können: Diese Vielfalt an Optionen wollen wir sichtbar machen.

4) Vielfältige Lösungen
Wir hatten oft die Qual der Wahl: Welche Handlungsoptionen sollen in den verschiedenen Situationen im Vordergrund stehen, welche lassen wir weg? Die Darstellung eines Fernwärmenetzes schaffte es nicht in die finalen Fassungen. Doch der Grundtenor der Zukunftsbilder bleibt bestehen: Lösungen werden in den Fokus gerückt und zeigen die vielfältige Palette an Klimaschutz- und Klimaanpassungsmassnahmen. Klar wird auch, dass solche Massnahmen nicht immer weniger Lebensqualität oder Verzicht bedeuten. Im Gegenteil: Mehr Gemeinschaftssinn, grünere Städte, die Entschleunigung des Verkehrs und das Überdenken unserer Prioritäten können zu mehr Lebensqualität und besserer Gesundheit beitragen.

5) Wissenschaftlichkeit garantieren
Das Ziel waren wissenschaftlich fundierte und somit plausible Zukunftsbilder. Nebst fundierter Recherche diskutierten wir die Bilder mit Expertinnen und Experten und passten sie an: So wurden etwa die Agri-PV-Anlagen transparenter, um für die Pflanzen genug Licht durchzulassen – und stehen nun auf Mittelstützen, damit die Kulturen mit Maschinen bearbeitet werden können. Wir ersetzten Fichten durch klimaresistente Föhren oder optimierten die Streckenführung von Fahrradwegen.

(Die Beiträge geben die Meinung der Schreibenden wieder und müssen nicht mit der Haltung der SCNAT übereinstimmen.)

