Hier werden zweimal jährlich faktenbasierte und aktuelle Beiträge zu den Themen Klima und globalen Wandel publiziert.

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Editorial: Mensch, Erde! Das Klima im Wandel

Dora Strahm und Ursula Menkveld
Dora Strahm und Ursula Menkveld
Dora Strahm und Ursula MenkveldImage: Naturhistorisches Museum Bern
Image: Naturhistorisches Museum Bern

Editorial von Dora Strahm und Ursula Menkveld

In dieser Ausgabe des ProClim Flash werden neue und alte Methoden, Kohlenstoff aus der Atmosphäre abzuscheiden oder zu entnehmen und es zu speichern oder weiterzuverwenden, von verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Diese CO2-Entnahme und -Speicherung im erdgeschichtlichen Kontext einordnen und verstehen lernen: Das kann man ab dem 24. Oktober auch im Naturhistorischen Museum Bern.

Die neue Dauerausstellung «Mensch, Erde! Das Klima im Wandel» richtet sich an ein vielfältiges, breites Publikum und ist für Menschen ohne naturwissenschaftliches Vorwissen konzipiert. Sie macht ungewohnte Zusammenhänge sichtbar und schärft den Blick auf das Raumschiff Erde, mitdem wir seit Jahrmillionen unterwegs sind. Und die Ausstellung macht Mut: Es gibt zahlreiche Massnahmen, Innovationen und Visionen, mit denen wir der Klimakrise begegnen können.

In diesem Sinn wagt die Ausstellung ein assoziatives Nebeneinander von Zeiträumen, Erzählungen und Perspektiven, um Verbindungen spürbar zu machen. Sie will zum Nachdenken und Nachforschen anregen. Eines der behandelten Themen ist die Fähigkeit der Erde, CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen und es insogenannten natürlichen Senken zu speichern. Hier haucht die Ausstellung abstrakten Begriffen wie «natürliche Senken» und «Netto-Null» Leben ein.

Grosszügige Visualisierungen zeigen, wie Ozeane und intakte Feuchtgebiete Kohlenstoff im Boden versenken – und warum das wichtig ist: Natürliche Senkenholen von jährlich rund 40 Gt ausgestossenem CO₂ etwa die Hälfte wieder aus der Luft. Das ist ein starker Gegenpol zu den medial inszenierten Maschinen, die der Luft technisch CO₂ entziehen. Diese künstliche Reduktion schafft nur einen Bruchteil dessen, was die Natur leistet – doch solche Bilder prägen das Bewusstsein stärker. Trotzdem: Jede Tonne zählt.

Mit der Lektüre dieser Ausgabe können Sie Ihr Wissen zum Thema CO2-Entnahme und -Speicherung nach oder vor Ihrem Ausstellungsbesuch weiter vertiefen. Der Artikel «Ein vielseitiges Puzzleteil im Klimaschutz» schafft einen Überblick über die verschiedenen Begrifflichkeiten von CDR über BECCS bis hin zu NET. In diesem Magazin erfahren Sie ausserdem auch mehr zum aktuellen Stand («CO2 entfernen, abscheiden und speichern: Wie weit sind wir» und «CO2 im Untergrund einlagern - zwischen Machbarkeit und Akzeptanz») und zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen («Neue Technologien brauchen einen gesetzlichen Rahmen») von CO2-Entnahme und -Speicherung in der Schweiz sowie zu den potenziellen moralischen Herausforderungen dieser neuen Technologien («Mehr CO2 der Atmosphäre entziehen!»).

So wie auch die Beiträge in diesem Flash, laufen die Erzählstränge der Ausstellung auf eine Kernbotschaft hinaus: Wir müssen den CO₂-Ausstoss massiv senken – und gleichzeitig so viel wie möglich aus der Luft entfernen. Das Wissen und die Mittel sind vorhanden, für die Umsetzung braucht es einzig und allein unseren Willen. Ein Zitat von Klimaforscher Thomas Stocker unterstreicht dieses Mindset treffend: «Wenn die Menschheit will, kann sie. Wenn die Schweiz will, kann sie.»

Wir wünschen Ihnen eine bereichernde Lektüre und freuen uns auf spannende Diskussionen im Naturhistorischen Museum Bern.

Die Dauerausstellung «Mensch, Erde! Das Klima im Wandel» ist ab dem 24. Oktober 2025 zu sehen; www.nmbe.ch

(Die Beiträge geben die Meinung der Schreibenden wieder und müssen nicht mit der Haltung der SCNAT übereinstimmen.)

Dora Strahm arbeitet als Ausstellungskuratorin für das Naturhistorische Museum Bern.

Ursula Menkveld arbeitet als wissenschaftliche Kuratorin im Bereich Paläontologie für das Naturhistorisches Museum Bern.