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Ölheizungen werden oft erst ausgetauscht, wenn sie kaputt sind

ProClim Flash 77

Hausbesitzerinnen und -besitzer planen energetische Sanierungen oftmals erst dann, wenn defekte Bauteile ersetzt werden müssen. Wären sie besser über Sanierungsmöglichkeiten und Subventionen informiert, würden sie eventuell früher handeln.

Mit welchen Fördermitteln können Hausbesitzerinnen und -besitzer bei einer energetischen Sanierung rechnen? Gemäss einer Umfrage wünschen sich viele Haushalte einen einfacheren Zugang zu diesen Informationen und einen Abbau bürokratischer Hürden. Foto: Andrey Popov, stock.adobe.com
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Text: , ETH Zürich

In der Schweiz entfallen rund 40 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs auf den Gebäudesektor.1 Dieser Bereich spielt somit bei der Transformation des Energiesystems eine entscheidende Rolle. Zurzeit machen Öl- und Gasheizungen etwa 55 Prozent aller Heizungsanlagen in der Schweiz aus. Die Umstellung auf umweltfreundliche Heizsysteme sowie energetische Sanierungen bei Gebäuden, wie etwa Fassadenisolationen, sind wichtige Hebel, um den Energieverbrauch sowie die Emissionen im Gebäudesektor zu senken. Aktuell ist die Sanierungsrate in der Schweiz jedoch tief.

Zwischen 2010 und 2020 hat das Gebäudeprogramm, ein zentrales Förderprogramm des Bundes und der Kantone für energetische Sanierungen, fast 135'000 Projekte subventioniert und 2,3 Milliarden Franken an Fördermitteln vergeben.2 Oftmals wurden in der Vergangenheit jedoch gar nicht alle Fördermittel ausgeschöpft. Mit der aktuellen Sanierungsrate von rund 1,5 Prozent pro Jahr ist es unmöglich, einen ausreichenden Beitrag zur Transformation des Energiesystems zu leisten – dazu müsste der Prozess massiv beschleunigt werden.3

Um herauszufinden, weshalb die Sanierungsrate so niedrig ist, hat das Centre for Energy Policy and Economics der ETH Zürich in einer Studie die Einflussfaktoren für Investitionen in die Energieeffizienz bei EigentümerInnen von Einfamilienhäusern in der Schweiz untersucht. Zu diesem Zweck wurde 2020 eine Befragung von HausbesitzerInnen mit Häusern mit Baujahr 1990 und älter im Kanton Zürich durchgeführt. Ein Teil der Befragten hatte in den fünf Jahren vor der Umfrage einen Bauantrag für eine Sanierung gestellt. In einer zweiten Befragung wurden ExpertInnen für Energieberatungen befragt, die den Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) vergeben – eines der wichtigsten Energiezertifikate für Gebäude in der Schweiz.

Hausbesitzende sanieren meist nicht aus Kalkül, sondern aus Notwendigkeit

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass neben den Renovationskosten die unübersichtliche Informationslage für HausbesitzerInnen eine der grössten Barrieren für energieeffizientes Sanieren darstellt. Meist sind Haushalte nicht genügend über die Fördermöglichkeiten informiert.

Bedingt durch den Mangel an leicht zugänglichen Informationen können sich die Sanierungsentscheidungen oftmals verzögern. Die Studien­ergebnisse legen nahe, dass die Mehrheit der HauseigentümerInnen energetische Sanierungen erst dann plant, wenn defekte oder veraltete Gebäudeelemente ersetzt werden müssen. Demnach neigen sie mehrheitlich nicht dazu, die Sanierungen langfristig im Voraus zu antizipieren. Eine vorausschauende Planung würde es jedoch ermöglichen, Sanierungspläne energetisch und finanziell zu optimieren.

Doch welche Faktoren motivierten die Haushalte dazu, ihr Haus energetisch zu sanieren? Erstaunlicherweise standen finanzielle Einsparungen durch einen verminderten Energieverbrauch bei der Umfrage nur an vierter Stelle. Möglicherweise sind die Befragten davon ausgegangen, dass sich die hohen Investitionen für eine Sanierung finanziell nicht lohnen würden. In gewissen Fällen mag diese Annahme aufgrund tiefer Energiepreise in der Vergangenheit auch gestimmt haben.

Folgende Faktoren waren für die Befragten hinsichtlich einer Renovation entscheidender: An erster Stelle stand die Sanierung beschädigter Bauteile, gefolgt von ökologischen Überlegungen und einem erhöhten Wohnkomfort. Zudem gingen viele Hausbesitzer­Innen davon aus, dass ihr Haus bereits genügend energieeffizient sei. Daher sahen sie keine Notwendigkeit, derartige Investitionen zu tätigen.

SanierungsexpertInnen sehen Informationsmangel bei Haushalten

Auch die GEAK-ExpertInnen wurden zu möglichen Ursachen für die tiefe Sanierungsrate befragt. Sie gaben als Hauptgrund an, dass es in der Vergangenheit aufgrund der niedrigen Energiepreise für einen Teil der Haushalte finanziell schlicht nicht interessant war, energetisch zu sanieren. Doch in vielen Fällen hätte sich gemäss den ExpertInnen eine Sanierung durchaus finanziell gelohnt – dies war jedoch den HausbesitzerInnen zu wenig bewusst. Als weitere Gründe für die tiefe Sanierungsrate gaben die GEAK-ExpertInnen an, dass viele Haushalte entweder gar nicht über die Möglichkeit einer Sanierung nachdachten oder dass sie nicht einfach genug an die notwendigen Informationen gelangten.

Für HausbesitzerInnen, welche sich dennoch entschieden hatten zu sanieren, war gemäss Einschätzung der GEAK-ExpertInnen die wirtschaftliche Dimension nicht die primäre Motivation. Viel häufiger seien Sanierungen getätigt worden, weil defekte oder veraltete Bauteile ersetzt werden mussten, ökologische Aspekte eine Rolle spielten oder der Komfort erhöht werden sollte.

Einfacherer Zugang zu Informationen könnte Sanierungsrate erhöhen

Auf die Frage, welche neuen oder zusätzlichen Massnahmen ergriffen werden könnten, um die Umsetzung von energetischen Sanierungen zu erhöhen, sprachen die GEAK-ExpertInnen informationsbezogenen Massnahmen eine hohe Wichtigkeit zu. HausbesitzerInnen hingegen wünschten sich an erster Stelle vom Staat höhere Subventionen. An zweiter Stelle stand allerdings ein erweitertes Informationsangebot bezüglich der Fördermittel. Fast genauso wichtig wurde der Abbau bürokratischer Hürden eingeschätzt: Häufig würde sich der bürokratische Aufwand für die tiefen Förderbeträge gar nicht lohnen.

Aus Sicht der AutorInnen der Studie könnten Energieberatungen, wie sie von GEAK-ExpertInnen angeboten werden, dem Informationsmangel entgegenwirken. Gefragt wären Empfehlungen für energieeffiziente Renovationen sowie Informationen zu deren Finanzierung und Wirtschaftlichkeit. Jedoch ist die Zahlungsbereitschaft seitens der HausbesitzerInnen für solche Beratungen gering, was durch zusätzliche Fördermittel angegangen werden könnte. Eine proaktive Förderung dieser Energieberatungen könnte Haushalte zudem animieren, vorausschauender zu planen. Zusätzlich könnte geprüft werden, ob eine Erhöhung der bestehenden Subventionen die Sanierungsrate erhöhen würde. Dies wird jedoch erst sinnvoll, nachdem die Informations- und Beratungslücken geschlossen wurden.

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Tobias Wekhof forscht am Centre for Energy Policy and Economics der ETH Zürich zum Investitionsverhalten von Haushalten bezüglich Energieeffizienz und zu nachhaltigen Geldanlagen.

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Referenzen

[1] Swiss Federal Office of Energy (2022) Energy Statistics.
https://www.bfe.admin.ch/bfe/en/home/supply/statistics-and-geodata/energy-statistics.html

[2] Swiss Federal Office of Energy (2022) Le Programme Bâtiments [The buildings program].
https://www.leprogrammebatiments.ch/fr/publications-et-photos/rapports-et-statistiques/

[3] Balthasar A, Schalcher HR (2020) Forschung für die Schweizer Energiezukunft. Resümee des Nationalen Forschungsprogramms «Energie». Hrsg.: Leitungsgruppen der Nationalen Forschungsprogramme «Energiewende» (NFP 70) und «Steuerung des Energieverbrauchs» (NFP 71). Schweizerischer Nationalfonds. Bern.

Mit welchen Fördermitteln können Hausbesitzerinnen und -besitzer bei einer energetischen Sanierung rechnen? Gemäss einer Umfrage wünschen sich viele Haushalte einen einfacheren Zugang zu diesen Informationen und einen Abbau bürokratischer Hürden. Foto: Andrey Popov, stock.adobe.com
Mit welchen Fördermitteln können Hausbesitzerinnen und -besitzer bei einer energetischen Sanierung rechnen? Gemäss einer Umfrage wünschen sich viele Haushalte einen einfacheren Zugang zu diesen Informationen und einen Abbau bürokratischer Hürden. Foto: Andrey Popov, stock.adobe.comImage: Andrey Popov, stock.adobe.com

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