Schweizer Energieverbrauch 2020 wegen Pandemie stark gesunken

Der Endenergieverbrauch der Schweiz ist 2020 gegenüber dem Vorjahr um 10,6% auf 747’400 Terajoule (TJ) gesunken. Hauptgründe dafür sind die Covid-19 Pandemie und die im Vergleich zum Vorjahr wärmere Witterung.

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Die starke Abnahme des Endenergieverbrauchs um 10,6% gegenüber dem Vorjahr ist in erster Linie auf die Covid-19-Pandemie zurückzuführen. Verschiedene Indikatoren, welche für den Energieverbrauch bestimmend sind, waren durch die zwei Lockdowns ausserordentlich betroffen: die Fahrleistungen und Fahrzeugbewegungen im Personenverkehr (Flugverkehr: -64%; Strassenverkehr: Abnahme, es liegen jedoch noch keine definitiven Werte vor), die industrielle Produktion (-3,5%) und das Bruttoinlandsprodukt (reale BIP: -2,9%).

Die im Vergleich zum Vorjahr wärmere Witterung hat ebenfalls zur Abnahme des Energieverbrauchs beigetragen: Die Anzahl Heizgradtage, ein wichtiger Indikator für den Energieverbrauch zu Heizzwecken, nahm um 4,4% ab. Leicht zugenommen haben 2020 hingegen andere Faktoren, die den langfristigen Wachstumstrend des Energieverbrauchs bestimmen: Die ständige Wohnbevölkerung (+0,7%), der Motorfahrzeugbestand (+1,3%) und der Wohnungsbestand (Zuwachs, es liegen jedoch noch keine detaillierten Zahlen vor). Effizienzsteigerungen und Substitutionseffekte wirken sich hingegen dämpfend auf das Wachstum des Energieverbrauchs aus. Zu den Bestimmungsfaktoren der Energieverbrauchsentwicklung werden die jährlichen Ex-Post-Analysen weitere Aufschlüsse liefern (Publikation im Oktober 2021).

Treibstoffverbrauch stark gesunken

Die Auswirkung der Pandemie auf den Energieverbrauch zeigt sich vor allem bei den fossilen Treibstoffen. Der Benzin- und Dieselverbrauch ging insgesamt um 8,1% zurück (Benzin -11,4%, Diesel -5,2%). Der Absatz der Flugtreibstoffe brach um -62,2% ein. Insgesamt lag der Treibstoffverbrauch damit um 23,0% unter dem Niveau von 2019. Ein historischer Einbruch. Die fossilen Treibstoffe machen ungefähr einen Drittel (30.3%) des gesamten Endenergieverbrauchs aus.

Der Verbrauch der biogenen Treibstoffe reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr ebenfalls (-6,9%), nachdem er seit 2014 stetig zugenommen hatte. Deren Anteil am gesamten Absatz von Benzin und Diesel blieb jedoch unverändert bei 3,7%.

Rückgang von Energieträgern zu Heizzwecken

Die warme Witterung führte zu einem deutlichen Rückgang des Verbrauchs von Energieträgern zu Heizzwecken. Der Verbrauch von Heizöl extra-leicht sank um 10,4%, derjenige von Erdgas um 2,0% gegenüber dem Vorjahr. Der Elektrizitätsverbrauch nahm ebenfalls ab (-2,6%). Bei diesen Energieträgern sind die Veränderungen im historischen Kontext nicht auffällig. Beim Elektrizitätsverbrauch gab es temporär jedoch einen deutlichen Corona-Effekt während der Lockdown-Phasen. Diese drei Energieträger machen mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauches aus (55,0%).

Die energetische Verwendung von Industrieabfällen hat um 1,4% abgenommen (Anteil am Endenergieverbrauch: 1,5%). Wie im Vorjahr nahm der Verbrauch von Kohle ab (-3,9%) und die schweren Heizölsorten blieben auf dem Vorjahreswert. Hingegen stieg der Verbrauch von Petrolkoks (+45,8%). Der Anteil dieser drei Energieträger am gesamten Endenergieverbrauch ist sehr gering (<1%).

Verbrauchsrückgang bei den erneuerbaren Energien

Die warme Witterung wirkte sich nicht auf alle erneuerbaren Energieträger zu Heizzwecken gleich aus. Der Verbrauch von Energieholz sank um 3,5%. Der Verbrauch von Fernwärme ging ebenfalls zurück (-2,2%). Der Verbrauch von Solarwärme und die Nutzung von Umgebungswärme mit Wärmepumpen stieg jedoch an (Sonne: +0,8%; Umweltwärme: +3,6%). Der Anteil dieser Energieträger am gesamten Endenergieverbrauch betrug 11,0% (Energieholz: 5,3%, Umgebungswärme: 2,5%, Fernwärme: 2,8%, Solarwärme: 0,4%).

Die direkte Nutzung von Biogas sank um 2,6%. Unter Berücksichtigung des ins Erdgasnetz eingespeisten Biogas (das statistisch unter Gas verbucht wird), ergibt sich eine leichte Senkung des Biogasverbrauches (-0,6%). Der Anteil des eingespeisten Biogases am gesamten Gasverbrauch betrug 1,2% (2019: 1,1%).

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