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Gewässer in der Schweiz

Zustand und Massnahmen

Dieser Bericht beschreibt den Zustand von Schweizer Gewässern – von Fliessgewässern, Seen und Grundwasser. Er gibt zudem einen Überblick über die laufenden Massnahmen, die dazu beitragen, dass sich der Gewässerzustand verbessert.

BAFU (2022) Gewässer in der Schweiz
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Dank des Gewässerschutzes erhalten Gewässer mehr Raum, Abflüsse werden natürlicher, Lebensräume für Pflanzen und Tiere werden vernetzt und Verunreinigungen werden reduziert. Die Massnahmen der letzten Jahrzehnte zeigen lokal Wirkung. Es braucht aber weiterhin grosse Anstrengungen, damit die biologische Vielfalt in den Gewässern nicht weiter abnimmt und die Gewässer widerstandsfähig werden gegenüber dem Klimawandel. Zudem muss sichergestellt werden, dass das Grundwasser auch in Zukunft qualitativ hochwertiges Trinkwasser liefert. Zu diesem Schluss kommt die erste gesamtschweizerische Analyse «Gewässer in der Schweiz – Zustand und Massnahmen» des Bundesamts für Umwelt BAFU.

Eine Vielzahl von Seen, Bächen und Flüssen sowie das Grundwasser bilden zusammen das Gewässersystem der Schweiz. Zum ersten Mal ist dieses System nun in seiner Gesamtheit beurteilt worden. Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat Resultate aus nationalen Beobachtungsprogrammen, kantonalen Untersuchungen und wissenschaftlichen Studien analysiert und in einem Gesamtbericht zusammengefasst. In diesem werden Erfolge, aber auch Defizite zum Gewässerzustand aufgezeigt.

Abwasserreinigung und Renaturierung: Investitionen zeigen lokal Wirkung

Der Gewässerbericht zeigt, dass sich die Wasserqualität der Seen und Flüsse in den vergangenen Jahrzehnten in gewissen Bereichen verbessert hat: Dank hoher Investitionen in die Siedlungsentwässerung und die Abwasserreinigung gelangt nur noch ein kleiner Teil der Verunreinigungen aus den Siedlungsgebieten in die Seen und Flüsse. Darum haben auch die Phosphorkonzentrationen in den Seen seit den 1980er Jahren abgenommen, und es kann praktisch überall bedenkenlos gebadet werden. Um die Wasserqualität weiter zu verbessern, werden nun seit 2016 ausgewählte Kläranlagen mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ausgebaut, welche Mikroverunreinigungen, zum Beispiel durch Arzneimittel, aus dem Abwasser reduziert.

Seit 2011 fordert das Gewässerschutzgesetz natürlichere Flüsse, Bäche und Seen. Sie werden daher revitalisiert, d.h. sie erhalten mehr Platz, und Verbauungen werden entfernt. Zudem werden die negativen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung verringert, indem künstliche Abflussschwankungen gemildert und Kraftwerksbarrieren mit Fischwanderhilfen ausgestattet werden. Gemäss dem Gewässerbericht zeigen die Massnahmen lokal Erfolge. Es braucht aber weitere Anstrengungen, um das ganze Gewässersystem wieder naturnah zu gestalten. Denn Flüsse, Bäche und Seen spielen auch für die Erhaltung der Biodiversität eine zentrale Rolle.

Mikroverunreinigungen und Nährstoffe belasten die Gewässer

Obwohl sich die Wasserqualität in gewissen Bereichen verbessert hat, erfüllt sie die gesetzlichen Mindestanforderungen vielerorts nicht. Gemäss dem Gewässerbericht beeinträchtigen Pestizide aus der Landwirtschaft und Arzneimittel aus Siedlungsabwasser viele Bäche und Flüsse des Mittellandes und der Talebenen. Das Grundwasser ist verbreitet mit Nitrat und Abbauprodukten von Pestiziden belastet. Deshalb kann es mancherorts nur noch eingeschränkt als Trinkwasser genutzt werden. Gemäss dem vom Parlament im März 2021 genehmigten Bundesgesetz über die Verminderung der Risiken durch den Einsatz von Pestiziden, sollen die Risiken für Oberflächengewässer und die Belastung des Trinkwassers durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis 2027 um 50 Prozent vermindert werden.

Bestimmte Seen und Fliessgewässer enthalten weiterhin zu viel Phosphor und Stickstoff. Als Folge davon ist der Sauerstoffgehalt in manchen Seen deutlich zu tief; Fische und Pflanzen gehen ein. Über die Flüsse geraten zudem zu grosse Mengen Stickstoff aus der Schweiz in die Meere. Das Parlament hat daher 2021 den Bund beauftragt, dafür zu sorgen, dass die Kläranlagen zukünftig noch mehr Stickstoff aus dem Abwasser entfernen.

Klimawandel verstärkt den Druck auf die Gewässer

Auch der Klimawandel wirkt sich aus: So ist beispielsweise die Wassertemperatur im Rhein bei Basel seit den 1960er Jahren um mehr als 2 °C angestiegen. Dadurch werden kälteliebende Pflanzen und Tiere, etwa die Bachforelle, seltener. Weniger anspruchsvolle Tiere und Pflanzen sowie gebietsfremde Arten, wie beispielsweise invasive Muscheln, breiten sich hingegen aus. Dies verschärft die Situation in vielen Fliessgewässern und Seen im Mittelland, die nur noch eingeschränkt Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt bieten. Die starke Beeinträchtigung der Gewässer spiegelt sich auch in den Roten Listen wider: Über 50 Prozent aller Arten, die in und an Gewässern leben, sind gefährdet oder bereits ausgestorben.

Die vom BAFU 2021 publizierten hydrologischen Szenarien (Hydro-CH2018) zeigen, dass der Klimawandel die Verfügbarkeit der Ressource Wasser verändert. Der Umgang mit dem Wasser muss angepasst werden. Der Bundesrat hat deshalb im Mai 2022 die zuständigen Bundesämter beauftragt, ein nationales System zur Früherkennung und Warnung vor Trockenheit aufzubauen. Dieses soll mithelfen, dass frühzeitig Massnahmen eingeleitet werden können, wenn sich Trockenheit abzeichnet. Ziel ist, starke negative Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft zu verhüten.

Massnahmen für naturnahe Gewässer umsetzen

Gewässer in einem möglichst natürlichen Zustand sind widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel. Sie können sich selbst regenerieren. Die Massnahmen, um das Gewässersystem naturnaher zu machen, müssen daher weitergeführt werden. So können die Gewässer in Zukunft auch ihre Aufgaben als Trinkwasserlieferant, vielfältigen Lebensraum für Pflanzen und Tiere und Erholungsgebiete erfüllen.

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