Neue nationale Karte zeigt Hagelgefährdung

Die Schweiz ist ein Hagelland. Immer wieder gibt es lokale und zum Teil grosse Schäden an Fahrzeugen, Gebäuden oder in der Landwirtschaft. Hagel ist aber schwer zu messen, da er unerwartet auftritt und meistens nur kleine Gebiete betrifft. Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz hat mit Partnerorganisationen erstmals eine national einheitliche Hagelkarte erarbeitet, welche das Auftreten aber auch die Stärke von Hagelereignissen beschreibt und heute präsentiert wird. So erfahren Betroffene besser, wie oft und wo es hagelt und wie gross die Hagelkörner werden können.

Hagelklima

Hagelstürme verursachen jedes Jahr Schäden in Höhe mehrerer Millionen Schweizer Franken. Sie stellen somit eines der grössten Naturrisiken der Schweiz dar. Für Betroffene aus der Land- und Forstwirtschaft, dem Versicherungs- und Bauwesen sowie den Einsatzorganen der Feuerwehr und des Zivilschutzes besteht das Bedürfnis nach einer einheitlichen, landesweiten Grundlage zur Beurteilung der Hagelgefährdung. Bestehende Hagelkarten beruhten auf älteren Daten, verwendeten unterschiedliche Methoden und zeigten zum Teil grosse Unterschiede. Die neue Hagelkarte beschreibt die Häufigkeit und Intensität von Hagelereignissen in der Schweiz, wird laufend erweitert und steht allen Interessierten frei zur Verfügung. «Moderne Wetter- und Klimagrundlagen erlauben es, der grossen Gefährdung durch Hagelstürme besser zu begegnen. Somit dienen Klimadienstleistungen auch dem Schutz vor aktuellen Naturgefahren», so Peter Binder, Vorsitzender des National Centre for Climate Services (NCCS) und Direktor MeteoSchweiz.

Lokal aber heftig

Hagel ist ein kleinräumiges Wetterphänomen und daher schwer zu messen. Eine landesweite Erfassung der Hagelgewitter ist nur mit dem Wetterradarnetz möglich, welches alle fünf Minuten ein detailliertes Bild der Niederschläge liefert, vom schwachen Nieselregen bis hin zum heftigen Hagelsturm. Für die Erstellung der neuen Hagelkarte wurden die Messungen von 40'000 Hagelereignissen (Analyseperiode 2002 bis 2020) aus dem Radarmessnetz ausgewertet. Zudem wurden die Hagelmeldungen aus der App der MeteoSchweiz und einem Messnetz von 80 automatischen Hagelsensoren zur Plausibilisierung herangezogen.

Folgende neue Hagelgefährdungskarten stehen zur Verfügung:

  • Informationen zu Hagelhäufigkeit: Besonders oft hagelt es im Sommer und in den Kantonen Tessin, Bern und Luzern sowie entlang des Juras.
  • Informationen zu Hagelkorngrössen: Schweizweit fällt durchschnittlich etwa 32 Mal pro Jahr Hagel mit einer maximalen Korngrösse von einem "Einfränkler" (2 cm Durchmesser).
  • Informationen zu Hagelgefährdung/Wiederkehrperioden: Schweizweit treffen vielerorts alle 50 Jahre Hagelkörner von mindestens 3 cm Durchmesser auf ein Hausdach.

Mit gebündelter Expertise zur neuen Hagelreferenz

Im Projekt "Hagelklima Schweiz" haben sich unter der Leitung des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz und unter dem Dach des NCCS verschiedene Akteurinnen und Akteure aus dem privaten und öffentlichen Sektor zusammengeschlossen. Beteiligt waren

  • die Präventionsstiftung der Kantonalen Gebäudeversicherungen (PS),
  • der Schweizerische Versicherungsverband (SVV),
  • die Schweizerische Hagel-Versicherungs-Gesellschaft (Schweizer Hagel),
  • der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) sowie
  • die Bundesämter für Bevölkerungsschutz (BABS), Landwirtschaft (BLW) und Umwelt (BAFU).

Mit dem Zusammenschluss konnte Fachwissen aus der Praxis, der Verwaltung und der Forschung gebündelt werden. Vom Resultat profitieren nicht nur die an Hagelinformationen interessierten Nutzerinnen und Nutzer. Das Projekt hat die Fachleute aus der Landwirtschaft, dem Versicherungs- und Bauwesen, der Klimatologie und der Wetterradarforschung an einen Tisch gebracht und wertvollen Austausch ermöglicht. Auf diese Weise konnten Methoden aus verschiedenen Anwendungsbereichen für das Projekt kombiniert und weiterentwickelt werden.

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