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Ein vielseitiges Puzzleteil im Klimaschutz

Wer bei den Ansätzen zur CO₂-Entnahme den Überblick behalten will, braucht mehr als nur Abkürzungswissen. Dieser Artikel zeigt, wie Carbon Dioxide Removal und Co. zusammenspielen müssen, um Klimaziele zu erreichen – und warum es dafür Klarheit bei den Begrifflichkeiten, kluge Koordination und einen ganzheitlichen Blick braucht.

Einst ein Nischenthema, ist CO2-Entnahme mittlerweile in Forschung und Politik als integrales Puzzleteil zur Erreichung der Klimaziele anerkannt. Die Methoden haben das Ziel,

  • CO₂ wieder aus der Luft zu holen (Carbon Dioxide Removal, CDR),
  • CO₂ gar nicht erst in die Luft gelangen zu lassen (Abscheidung von CO₂ direkt an Punktquellen mit anschliessender Speicherung – Carbon Capture and Storage, CCS),
  • eingefangenes CO₂ sinnvoll zu nutzen (Carbon Capture and Utilization, CCU).

Der Einsatz von CDR ist auf verschiedenen Ebenen komplex – angefangen bei den diversen Begrifflichkeiten. Wenn über CDR und die zahlreichen Methoden gesprochen wird, tauchen ähnliche Begriffe und Abkürzungen auf, deren Unterscheidung wichtig ist, um Missverständnisse oder Unschärfen zu vermeiden (Abb. 1).

Dabei ist es zentral, dass diese verschiedenen Ansätze an den richtigen Stellen des Gesamtbildes platziert werden, um komplementär und koordiniert zum Erreichen des Netto-Null-Ziels beizutragen auch damit Reduktion und Entfernung von Treibhausgasen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Komplementäre Hebel im Klimaschutz

Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, die globale Erwärmung «deutlich unter» 2 °C im Vergleich zum vorindustriellen Temperaturniveau zu halten. Dazu ist es laut der jüngsten Bewertung des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) entscheidend, neben substanziellen Reduktionen der Treibhausgasemissionen das Volumen von durch CDR-Methoden entferntem CO₂ zu erhöhen, um die verbleibenden Treibhausgasemissionen auszugleichen.[1] Bis heute sind die globalen Emissionen weiter angestiegen, ebenso entfernen wir uns von den mit dem Pariser Ziel kompatiblen Emissionspfaden. Während die Verringerung (und nicht die Beseitigung) von Treibhausgasemissionen das Hauptziel der internationalen Klimapolitik bleibt, wird in den nächsten Jahrzehnten die Entfernung von vielen Milliarden Tonnen CO₂ pro Jahr mit CDR-Methoden notwendig sein, um Netto-Null- und Netto-Negativ-Ziele zu erreichen.[2]

Diese Mengen können ohne gezielten Ausbau der CDR-Methoden nicht erreicht werden. Die EU-Kommission und Pionierländer der Klimapolitik (z. B. die nordischen Staaten, das Vereinigte Königreich und Deutschland) verstehen diese Problematik und führen zunehmend Diskussionen über geeignete politische Instrumente.[3] [4] Beispiele dafür sind umgekehrte Auktionen für Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (BECCS) in Schweden und Dänemark oder die Integration von CDR in das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS).

CDR als Teil der Schweizer Klimastrategie

Auch die Schweiz hat sich verpflichtet, bis 2050 die Treibhausgasemissionen auf netto null zu senken. Mit der Schweizer Klimastrategie plant der Bund, bis 2050 jährlich 7 Mio. Tonnen CO₂ zu entfernen (siehe «Neue Technologien brauchen einen gesetzlichen Rahmen»). Das Klima- und Innovationsgesetz (KlG), angenommen im Juni 2023, legt fest, dass Emissionsreduktionen Priorität haben und CDR ergänzend eingesetzt wird. Die Strategie mahnt zur realistischen Einschätzung der CDR-Potenziale und zur konsequenten Emissionsvermeidung. So soll die Schweiz Verantwortung für ihre Emissionen übernehmen – viele Fragen zur konkreten Umsetzung bleiben jedoch offen und müssen in demokratischen Prozessen noch geklärt werden.

Auf diesem Weg gilt es, mögliche Fallstricke zu vermeiden, die mit einem raschen politischen Handeln in einem neuartigen, vielfältigen, dynamischen und technologischen Bereich einhergehen. Gerechte Lastenverteilung, Umweltintegrität, Öffentlichkeitsbeteiligung und Beratungsprozesse sind nur einige Beispiele für die vielen Dimensionen, die eine verantwortungsvolle CDR-Gouvernanz berücksichtigen muss.

Abb. 1: Illustration der wichtigsten Konzepte rund um die CO2-Entnahme - und ihren Einfluss auf die Klimaerwärmung.
Abb. 1: Illustration der wichtigsten Konzepte rund um die CO2-Entnahme - und ihren Einfluss auf die Klimaerwärmung.Bild: Cyril Brunner (2025), ergänzt von carbon180 (2021)
Abb. 1: Illustration der wichtigsten Konzepte rund um die CO2-Entnahme - und ihren Einfluss auf die Klimaerwärmung.
Abb. 1: Illustration der wichtigsten Konzepte rund um die CO2-Entnahme - und ihren Einfluss auf die Klimaerwärmung.Bild: Cyril Brunner (2025), ergänzt von carbon180 (2021)

Grosses Potenzial, viele Herausforderungen

CDR umfasst verschiedenste Methoden, um CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen und dauerhaft zu speichern. Beispielsweise können natürliche CO₂-Senken wie Wälder oder Moorlandschaften gestärkt werden, oder die Luft kann maschinell gefiltert und das CO₂ im Anschluss im Untergrund gespeichert werden. Möglich ist auch der vermehrte Einsatz von Baustoffen, die CO₂ binden. Die Bandbreite an Methoden ist gross (siehe Glossar).

Etablierte CDR-Methoden wie die Erhöhung der Senkenleistung von Wäldern entfernen bereits heute ca. 2 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr aus der Atmosphäre [4], stossen jedoch an Kapazitätsgrenzen und bergen wachsende Risiken. Zu diesen gehören etwa die durch die Erwärmung des Klimasystems zunehmenden Hitze- und Trockenheitsperioden und damit einhergehende Waldbrände. Neuartige CDR-Methoden könnten künftig in die Bresche springen, leisten heute jedoch erst einen vernachlässigbaren Beitrag.

Das Ausbaupotenzial bleibt unsicher, nicht zuletzt wegen der hohen Kosten und der Ressourcenintensität, welche die Skalierung innerhalb der planetaren Grenzen erschweren. Wichtig ist zudem, dass durch die Förderung und den Einsatz von CDR-Methoden die aktuellen Klimaziele der CO2-Reduktion nicht vernachlässigt werden – beispielsweise dann, wenn plötzlich öffentliche oder private Gelder zur Förderung erneuerbarer Energien fehlen. CDR ist somit ein unumgänglicher Hebel, um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu reduzieren, steht aber noch vor einigen Herausforderungen. Das gleiche lässt sich auch über Carbon Capture and Storage (CCS) und Carbon Capture and Utilization (CCU) sagen, die grosse Infrastrukturinvestitionen und Anpassung industrieller Prozesse bedingen. Für ein besseres Verständnis, welche Rolle die verschiedenen Ansätze im Klimaschutz spielen können und wo Synergien und Zielkonflikte beachtet werden sollten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Bewusstsein für Herausforderungen und Fallstricke

Auf wissenschaftlicher, technischer, ökonomischer und nicht zuletzt politischer Ebene warten einige Herausforderungen. Das zeigt etwa das Beispiel der Infrastruktur, die für CCS und BECCS nötig ist: Es macht keinen Sinn, CO2 etwa an einer Kehrrichtsverbrennungsanlage (KVA) abzuscheiden, wenn dieses nicht transportiert und gespeichert werden kann – der Aufbau einer Transport- und Speicherinfrastruktur rentiert im Gegenzug aber nicht, solange kein CO2 abgeschieden wird (siehe "Neue Technologien brauchen einen gesetzlichen Rahmen").

Zudem: Solange CDR nur limitiert verfügbar und das Potenzial so unsicher ist, wie es derzeit ist, soll die Methode primär eingesetzt werden, um schwer vermeidbare Emissionen, etwa aus der Abfall- oder Landwirtschaft, wieder zu entfernen. CDR soll aber beispielsweise nicht als Ersatz für die Elektrifizierung einer Fahrzeugflotte dienen ­– dafür ist mittelfristig auch schlicht nicht das Potenzial vorhanden.

Eine mögliche Orientierungshilfe für eine effektive und nachhaltige Förderung von CDR bieten etwa Holland-Cunz und Baatz [5], die auf relevante Dimensionen eingehen. Ihre Leitfragen zielen beispielsweise in Bezug auf die Machbarkeit auf administrative und finanzielle Ressourcen oder auf die Auswirkungen auf die Natur, etwa in Form von Beeinträchtigung einzelner Organismen, Arten und ganzen Ökosystemen.

Durch diese zahlreichen Aspekte wird klar: Der Umgang mit CDR ist kompliziert. Allerdings zeigen aktuelle Diskussionen, dass gegenüber den Herausforderungen ein grosses Bewusstsein herrscht.

CO2-Entnahme: konventionelle versus neue Methoden [7]
CO2-Entnahme: konventionelle versus neue Methoden [7]Bild: Petersen (2025)
CO2-Entnahme: konventionelle versus neue Methoden [7]
CO2-Entnahme: konventionelle versus neue Methoden [7]Bild: Petersen (2025)

Das Schweizer CDR-Ökosystem

In der Schweiz sind viele Akteure aus verschiedenen Bereichen gut vernetzt und bemüht, die Komplexität des Themas und die entsprechenden Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Daran beteiligt sind etwa die Swiss Carbon Removal Platform, der Innovation Booster Carbon Removal und die vom BAFU geleitete nationale Arbeitsgruppe CCS/NET. Solche Foren sind enorm wichtig, um die vielen Entwicklungen in dem Bereich zu beobachten und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Schweiz als Wissenschafts- und Innovationsstandort in Form von Pilotprojekten und Infrastrukturinvestitionen einen substanziellen Beitrag zur notwendigen Transformation leistet. So könnte CDR in Zukunft so breit wie nötig eingesetzt werden – damit wir die Klimaziele gemeinsam erreichen.

(Die Beiträge geben die Meinung der Schreibenden wieder und müssen nicht mit der Haltung der SCNAT übereinstimmen.)

Die wichtigsten Begriffe

Carbon Dioxide Removal (CDR): Die Entfernung von CO₂ aus der Atmosphäre mit anschliessender dauerhafter Speicherung. Die verschiedenen CDR-Methoden (siehe erweitertes Glossar) werden auch als Negativemissionstechnologien (NET) bezeichnet. Da dieser Begriff gesellschaftlich oft missverstanden wird, hat sich CDR durchgesetzt.

Carbon Capture and Storage (CCS): Der Prozess der CO₂-Abscheidung direkt an einer Emissionsquelle mit anschliessender Speicherung. Im Gegensatz zur CO2-Entfernung wird bei der Abscheidung das CO₂ direkt bei der Quelle «eingefangen», bevor es in die Atmosphäre gelangt (vermiedene Emissionen).

Carbon Capture and Utilization (CCU): Hier wird das an der Quelle abgeschiedene CO2 in Produkten genutzt oder direkt weiterverwendet, etwa als Kohlensäure in Getränken oder zur Produktion von synthetischen Treibstoffen. Wird der Kohlenstoff dabei langfristig ausserhalb der Atmosphäre gespeichert (z. B. in langlebigen Baumaterialien wie Recycling-Beton) spricht man von CCU mit Speicherung (CCUS).

Dekarbonisierung oder Entkarbonisierung: Bezeichnet die komplexen Prozesse der Umstellung einer Wirtschaftsweise, speziell die der Energiewirtschaft und Mobilität, in Richtung eines niedrigeren Umsatzes von Kohlenstoff.

Defossilierung: Sammelbegriff für die Substitution von kohlenstoffhaltigen Rohstoffen fossilen Ursprungs (z. B. Torf, Kohle, Erdöl, Erdgas) durch erneuerbare Rohstoffe zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Im Gegensatz zur Dekarbonisierung geht es hier nicht um eine generelle Reduktion des Einsatzes von Kohlenstoff, weshalb CCU und CCUS in der Defossilierung eine grössere Rolle spielen können.

CO₂-Kompensation: Verrechnen verursachter CO₂-Emissionen durch Reduktion oder Vermeidung von CO₂-Emissionen an anderer Stelle (z. B. durch den Einsatz erneuerbarer Energien oder den Schutz von Waldflächen). Im Gegensatz zu CDR wird dabei die Treibhausgasmenge in der Atmosphäre nicht verringert.

Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS): Technische Filtrierung von biogenem CO2 aus der Energieerzeugung, unter anderem aus der Biogasproduktion und -aufbereitung von Methan, der Verbrennung von holzartiger Biomasse oder von Biomasse aus Paludikulturen, der Biomassevergasung und der Bioethanol-Produktion. Erprobt für Filtrierung aus Abgasen ist insbesondere die Filtrierung durch Amin- oder Carbonatwäsche.

Pflanzenkohle aus Pyrolyse von Biomasse (Biochar): Bei 400–700 °C und unter Ausschluss von Sauerstoff verkohlte Biomasse (Pyrolyse) bindet CO₂ langfristig als Kohlenstoff. Pflanzenkohle wird u. a. als Düngerzusatz, in der Tierhaltung, als Werkstoff, als Beimischung in Materialien und in der Umwelt- und Energietechnik eingesetzt.

(Wieder-)Aufforstung / Waldmanagement und Holznutzung: Der Schweizer Wald bindet jährlich rund 2.5 Mt CO₂ mehr, als durch Holznutzung wieder emittiert wird. Kohlenstoff wird in Biomasse und Böden im Waldökosystem gespeichert, geerntetes Holz in dauerhaften Anwendungen verwendet. Mögliche Massnahmen sind u. a. (Wieder-)Aufforstung, Waldflächenerweiterung durch (gelenkte) natürliche Sukzessionen, dauerhafte oder temporäre Stilllegung von Nutzwäldern, nachhaltiges Waldmanagement mit dauerhafter Nutzung von Holz.

Agroforstsysteme: Landnutzungssysteme in verschiedenen Formen, bei denen Gehölze (Bäume, Hecken, Sträucher) mit landwirtschaftlichen Flächen kombiniert werden. Durch diese Kombination wird auch eine höhere Kohlenstoffanreicherung im Boden gewährleistet. Die Fläche unter den Bäumen kann entweder als Garten- und Ackerbau oder als Weide genutzt werden. Traditionell sind das z. B. Streuobstwiesen, für CDR braucht es jedoch neuartige Systeme.

Bodenkohlenstoffsequestrierung/Bodenbewirtschaftung: Erhöhung des Kohlenstoffgehalts in Böden durch veränderte Bewirtschaftung. Dazu gehören ganzjährige Bodenbedeckung, organische Dünger und Kompost als Bodenzusatz, Direktsaat mit reduzierter Bodenbearbeitung, Flächenumwandlung von Acker in Dauergrünland, Agroforstwirtschaft und Pflanzenkohle als Bodenzusatz.

Wiederherstellung von Moor-/Feuchtgebieten und Paludikulturen: Mit Moorrenaturierungen können trockengelegte Moore von THG-Quellen zu leichten CO2-Senken gemacht werden. Paludikultur umfasst jede Art der Biomassenutzung: von der Ernte spontaner Vegetation auf naturnahen Standorten bis hin zu neu angelegten Kulturen auf wiedervernässten Standorten. Dies unter Bedingungen, die den Torfkörper erhalten oder sogar eine neue Torfakkumulation begünstigen.

CO2-negative Baustoffe: Bei der Herstellung von Baustoffen wie Zement oder Stahl wird viel CO2 ausgestossen. Der Ersatz dieser Materialien durch CO2-negative Baustoffe kann diese Emissionen vermeiden sowie zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre binden und speichern. Dazu gibt es viele Varianten: Carbonatisierung von Recyclingbeton, pflanzenkohlehaltige Materialien, langlebige Holzprodukte, Materialsysteme zum Beispiel aus Gestein und Carbonfasern. Je nach Wertschöpfungskette sind Baustoffe die Speicherkomponente von Kohlenstoff aus BECCS, DACCS, Waldmanagement, usw.

Direct Air Capture and Storage (DACS/DACCS): CO2 durch technische Anlagen direkt aus der Luft entfernen. Es gibt zwei primäre Verfahrenstypen: Adsorption (low temperature), Absorption (high temperature). Speicherung primär in geologischen Speicherstätten verschiedener Art. DAC und CCS lässt sich auch mit Geothermie kombinieren, man spricht von CO2-Plume Geothermal (CPG).

Künstliche Photosynthese: Mithilfe der künstlichen Photosynthese ist es theoretisch möglich, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entnehmen und den enthaltenen Kohlenstoff in langfristig lagerfähige Produkte umzuwandeln. Im Forschungsprojekt NETPEC wurde mithilfe eines photoelektrochemischen Verfahrens CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen und in kohlenstoffreiche Produkte wie Oxalat oder Kohlenstoffflocken umgewandelt. Diese könnten anschliessend langfristig eingelagert werden.

Beschleunigte Verwitterung (Enhanced Rock Weathering ERW): Bei der Verwitterung von Gesteinen wird der Atmosphäre dauerhaft CO2 entzogen – die natürliche Verwitterung ist aber ein langsamer geochemischer Prozess. Durch Abbau von Gesteinen, deren Verarbeitung zu Gesteinsmehl und anschliessendes Ausbringen auf landwirtschaftliche Böden kann dieser Prozess extrem beschleunigt werden. Je nach Gesteinsart kann unterschiedlich viel CO2 zurück ins Erdsystem geführt werden. Bei der Carbonatisierung wird z. B. Abbruchbeton mit CO2 direkt begast (siehe Baustoffe).

Kohlenstoffspeicherung in Küstenzone (Blue Carbon): Ausweitung von vegetationsreichen Küstenökosystemen wie Salzmarschen, Seegraswiesen, Mangroven- und Tangwälder auf Ozean- und Küstenflächen.

Seegras/Algen Carbon Farming (Blue Carbon): Seegras und Algen werden gezüchtet, um CO₂ zu binden, das anschliessend in Biomasse oder anderen Produkten genutzt oder gespeichert wird. Eine Möglichkeit zur Speicherung ist das Versenken oder Deponieren der Biomasse, eine andere die Pyrolyse bzw. Verarbeitung zu Pflanzenkohle oder Bio-Öl.

Ozeandüngung (Ocean Fertilization): Nährstoffe wie Eisen werden in den Ozean eingebracht, um das Wachstum von Phytoplankton zu fördern, das CO₂ aufnimmt und bei seinem Absterben absinkt. Der Kohlenstoff verbleibt in der Tiefsee oder als Sediment am Meeresboden.

Künstlicher Auftrieb (Artificial Upwelling): Nährstoffe von ozeanischem Tiefenwasser werden heraufgepumpt, damit Algen, Zooplankton und Fische natürlich Kohlenstoff aufnehmen können. Nährstoffe fehlen oft in Oberflächenwasser. Die so entstehende zusätzliche Biomasse nimmt CO₂ auf und sinkt beim Absterben ab. Der Kohlenstoff verbleibt in der Tiefsee oder als Sediment am Meeresboden.

Alkalinitätserhöhung (Ocean Alkalinity Enhancement): Erhöhte Aufnahme von CO2 durch Hinzufügen von säurebindenden Mineralien aus verwitterten Gesteinen (Silikat- und Karbonatgestein). Vergleichbar mit Enhanced Rock Weathering, nur mit Ausbringung im Ozean statt auf Land.

Direct Ocean Capture (DOC)/Electrolytic Oceanic CDR: Gelöster Kohlenstoff wird direkt aus dem Meerwasser durch eine Reihe elektrochemischer Prozesse entfernt. Das behandelte Meerwasser wird dann zurückgeführt. Der Ozean enthält 150-mal mehr Kohlendioxid als die Atmosphäre, sodass DOC potenziell effizienter werden könnte als DAC.

[1] Intergovernmental Panel on Climate Change. (2022). Climate change 2022: Mitigation of climate change. Contribution of Working Group III to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change (P. R. Shukla, J. Skea, R. Slade, A. Al Khourdajie, R. van Diemen, D. McCollum, M. Pathak, S. Some, P. Vyas, R. Fradera, M. Belkacemi, A. Hasija, G. Lisboa, S. Luz, & J. Malley, Eds.). Cambridge University Press. https://doi.org/10.1017/9781009157926

[2] Smith, H. B., Vaughan, N. E., & Forster, J. (2024). Residual emissions in long-term national climate strategies show limited climate ambition. One Earth, 7(5), 867-884.

[3] Geden, O., & Schenuit, F. (2020). Unconventional mitigation: carbon dioxide removal as a new approach in EU climate policy.

[4] Honegger, M., Schäfer, S., Poralla, M., & Michaelowa, A. (2020). Klimaneutralität: ein Konzept mit weitreichenden Implikationen. dena-Analyse.

[5] Smith, S., Geden, O., Gidden, M., Lamb, W., Nemet, G., Minx, J., ... & Vaughan, N. (2024). The state of carbon dioxide removal.

[6] Holland-Cunz, A., & Baatz, C. (2025). CDR-PoEt Policy Brief: Wie sollte gezielte CO2-Entnahme politisch gesteuert werden? 15 Leitfragen für die Bewertung von Politikinstrumenten zur Steuerung von CO2-Entnahmeverfahren und -projekten. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.15295796

[7] Palle Petersen (2025). Wirksames Carbon Removal speichert CO₂ tausend Jahre. https://www.hochparterre.ch/nachrichten/themenfokus/wirksames-carbon-removal-speichert-co2-mindestens-1000-jahre#

Samuel Eberenz und Zoé Meier arbeiten bei der Stiftung Risiko-Dialog und der Swiss Carbon Removal Platform.

Nicolas Solenthaler arbeitete bis im Sommer ebenfalls bei der Stiftung Risiko-Dialog und der Swiss Carbon Removal Plattform.

Cyril Brunner ist Dozent und Wissenschaftler an der ETH Zürich.